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A New Modernity
The Concept
The performance
DIE RATIONALE MACHINE À HABITER ENTWICKELT SICH ZU EINER UNGEZÄHMTEN NATÜRLICHEN UND ÖKOLOGIE
Staging Modernity kritisiert im Wesentlichen die zweigleisigen Gegensätzlichkeiten, die die Diskussion zum Thema der Moderne historisch geprägt haben: auf der einen Seite das Mechanisierte, Rationale und Zivilisierte und auf der anderen Seite das Natürliche, Organische und Ungezähmte. Was würde passieren, wenn wir uns von dieser Unterscheidung verabschieden würden? Was würde passieren, wenn sich die Moderne mit einer weiter gefassten Ökologie auseinandersetzen würde, die neben den Kräften der Kultur, der Industrie und der Technologie auch nicht menschliche Akteure, Tiere und Ökosysteme umfasst?
Die fragmentierte Präsentation der Arbeit von Le Corbusier, Perriand und Jeanneret in Staging Modernity war keine Abstraktion, sondern ein Nachdenken über die Verschiedenheit der Ideale der Moderne und der heutigen Welt. Während in der Mitte des 20. Jahrhunderts ein klarer Bruch mit der Tradition gefeiert wurde, befinden wir uns heute an einem Punkt, an dem wir mit den unbeabsichtigten Folgen abrechnen müssen, da eine klare Trennung zwischen dem Menschlichen und dem Natürlichen immer schwieriger wird. In diesem Event hat Formafantasma den Besuchern einen neuen Blickwinkel auf die Moderne erschlossen, nicht nur als eine fest vorgegebene und statische Ideologie, sondern auch als ein Gespräch mit der Gegenwart, das sich in kontinuierlicher Weiterentwicklung befindet.
STAGING MODERNITY: DAS ERBE DER IDEALE DER MODERNE IN DER HEUTIGEN WELT
Während der Milano Design Week 2025 hat das italienische Duo Formafantasma im Teatro Lirico Giorgio Gaber das Theaterstück und die Installation Staging Modernity präsentiert, um das 60-jährige Jubiläum der Produktion der Kollektion Le Corbusier®, Pierre Jeanneret®, Charlotte Perriand® mit einer aufmerksamen und provokanten Interpretation des Erbes der Moderne zu feiern.
"Dieses Projekt zielt darauf ab, die konventionellen Meinungen zur Moderne, der Häuslichkeit und dem Design zu hinterfragen und die tiefgehenden kulturellen Auswirkungen dieser Ideen in der heutigen Zeit zu betrachten."
Formafantasma
Die Grundlage von ‘Staging Modernity’ ist der Grundriss des ‚'Salon d’Automne‘, eines Meilensteins in der Geschichte der Architektur und des modernen Designs. Dieser historische Moment versuchte, die häusliche Umgebung als eine industrielle und funktionale Machine à habiter (Wohnmaschine) neu zu definieren und sie dadurch von der Last der Tradition zu befreien. Durch die Einführung ihrer Möbel aus Metallprofilen distanzieren Le Corbusier, Charlotte Perriand und Pierre Jeanneret ihre neue moderne Ästhetik von der traditionellen Holzverarbeitung der damaligen Zeit. Dieser radikale Bruch stellte nicht nur eine Veränderung des Designs dar, sondern war auch ein Symbol der Moderne selbst: eine weitblickende, industrielle und rationale Welt, die sich von der Vergangenheit gelöst hat.
Statt diesen historischen Moment einfach nur neu zu interpretieren oder zu würdigen, hat die Installation Staging Modernity ihn dekonstruiert und die Elemente im Raum verteilt, als ob es sich um Skizzen oder Entwürfe handeln würde. Wie die Teile eines Puzzles haben diese Fragmente die Vorstellung einer Vision heraufbeschwört, die einst ganz war und jetzt zersplittert ist, und damit einen Blickwinkel geboten, der dazu auffordert, die idealisierte Auffassung der Moderne neu zu überdenken.
Die Arbeit von Le Corbusier, Perriand und Jeanneret, die tief in der Philosophie der Rationalität und des Fortschritts verwurzelt ist, wurde von Formafantasma nicht als eine makellose Vision der industriellen Perfektion neu angedacht, sondern als etwas Offeneres und Poröseres. Der Raum war mit Abbildungen von Tieren bevölkert, um die Grenze zwischen dem, was als "menschlich" und "nicht menschlich" bezeichnet wird, beziehungsweise zwischen der Moderne und dem Ungezähmten aufzulösen.
DIE AUKTORIALEN TEXTE DER PERFORMANCE
Die ganze Woche lang wurden Theaterperformances von professionellen Schauspielern unter der Regie von Fabio Cherstich als Teil der Installation inszeniert. Basierend auf drei Texten, mit denen der Philosoph Emanuele Coccia, der Architekt, Schriftsteller und Kurator Andrés Jaque und der Architekt und Künstler Feifei Zhou (terriStories) beauftragt worden sind, wurden die Überlegungen zu den ideologischen und materiellen Auswirkungen der Moderne tiefgehender betrachtet, wobei die Grenze des Statischen und Visuellen überschritten und die Performance, das Gehörte und die Verkörperung in einer Erfahrung miteinbezogen wurden, die für das Publikum komplett immersiv war.
"Ich stelle mir eine Performance vor, in der ein Chor den Raum bewohnt und auf unkonventionelle Weise mit den Objekten interagiert. Die Körper erkunden die konstruktiven Grenzen, passen sich an und definieren die Funktion neu, bis jede Hierarchie zwischen Mensch, Gegenstand und Natur beseitigt ist. Das Theater, der Ort par excellence für die Konvention, wird folglich zu einem Raum, der auf poetische Weise geteilt wird und wo sich alles im Wandel befindet. Eine inszenierte Utopie, in der die körperliche Präsenz dem Theater seine authentischste evokative Macht zurückgibt."
Fabio Cherstich, Regisseur.
Zu diesem Anlass hat Cassina seine Mission weitergeführt, junge Talente durch die Miteinbeziehung von Künstlern zu unterstützen und zu fördern, die von den lokalen Hochschulen für darstellende Kunst stammen, und von Studenten der Domus Academy, die sich bereiterklärt haben, das Projekt dem Publikum zu erläutern.
DIE AUKTORIALEN TEXTE DER PERFORMANCE
Emenuele Coccia, Philosopher
Andrès Jacque, Architect, Writer, and Curator
Feifei Zhou, (terriStories), Architect and Artist